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Fachschüler zeigen ihren Arbeitsplatz

Ein Besuch bei der Fa. Vögele in Ludwigshafen

Was ist das Herzstück eines Straßenfertigers, und wie ist es aufgebaut? In welchen Prozessschritten wird ein Straßenfertiger hergestellt und welche gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften sind dabei zu beachten? Nach welcher Strategie werden Instandhaltungsmaßnahmen bei der Fa. Vögele durchgeführt und wie wird dort eine hohe Verfügbarkeit der Maschinen und Anlagen sichergestellt? Darüber informierten sich kürzlich einige KollegInnen der Werner-von-Siemens-Schule im Rahmen einer Betriebsführung bei der Firma Vögele in Ludwigshafen.

Geführt wurden wir dabei von unseren eigenen Schülern, die im Rahmen ihrer Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker vor dem abendlichen Schulbesuch als Facharbeiter in drei verschiedenen Unternehmensbereichen des Weltmarktführers für Straßenfertiger und Bohlen tätig sind. Organisiert hatte den Termin Timo Huber, der im Bereich Arbeitssicherheit und Umweltschutz arbeitet und häufiger Besuchergruppen durchs Werk führt. „Seinen Techniker“ macht er, um die Fortbildung zur „Sifa“ anschließen zu können: Er möchte künftig als Sicherheitsfachkraft arbeiten. Zu Beginn der Werksführung stattete er uns mit Sicherheitswesten aus und gab uns die nötigen Sicherheitshinweise: So ist in den Werkshallen der Fa. Vögele beispielsweise auf Staplerverkehr zu achten.

Wir starteten im Rohmateriallager und erfuhren hier, welches Material zugekauft wird, um Straßenfertiger samt Bohlen bauen zu können. In der anschließenden Zerspanungshalle werden die Ausziehrohre mit einer in dieser Größe einzigartigen Hohnmaschine auf ein Hundertstel genau gefertigt und mechanisch bearbeitet: Wir sahen die dazu benötigten Bohrmaschinen, CNC-Fräs- und Drehmaschinen und erfuhren, dass ca. 80% der Bohle, dem Herzstück eines Straßenfertigers, im Werk direkt hergestellt werden. Die Beladung der CNC-Maschinen erfolgt über ein automatisches Lagersystem. In der anschließenden Schweißerei übernehmen zum größten Teil Schweißroboter das Fügen der Teile; die Mitarbeiter konzentrieren sich hier auf die Kontrolle der geschweißten Teile und führen bei Bedarf Nacharbeiten durch. Eine Station weiter befanden wir uns im Bereich der Oberflächentechnik. Das ist eine riesige Anlage, in der die Teile erst sauber gestrahlt und anschließend pulverbeschichtet werden. Dafür werden die Teile statisch aufgeladen, so dass das Pulver haften bleibt bevor es in den Härteofen geht. Wenn dieser Vorgang erledigt ist, kommen die Teile zum Aushärten des Lackes in einen Ofen. Der ganze Ablauf wird über ein kilometerlanges Förderband ermöglicht.

 

Herr Huber kennt den Betrieb sehr gut, da er an regelmäßigen Abteilungsbegehungen mitwirkt und in diesem Rahmen prüft, ob die sicherheitstechnischen Gesetze und Vorschriften insbesondere im Arbeits-, Umwelt- und Brandschutz eingehalten werden. So muss ein Betrieb regelmäßig Gefährdungsanalysen durchführen: Herr Huber zeigt uns am Beispiel der Laserschneidmaschine, welche Gefährdungen an so einen Arbeitsplatz entstehen können und welche Sicherheitsmaßnahmen in diesem Zusammenhang jeweils zu beachten sind. Im Rahmen regelmäßig durchgeführter 5S Audits geht es nicht nur um Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz, sondern auch um die Kontrolle sicherheitsrelevanter Aspekte. Die Ergebnisse dieser Audits kann man über die in den verschiedenen Abteilungen aufgestellten Touch-Bildschirme einsehen.

Nach der Besichtigung des Rohmateriallagers, der mechanischen Fertigung und der anschließenden Schweißerei, führte uns der Weg endlich in den Bereich des Herzstücks des Straßenfertigers, die Bohlenmontage. Hier ist Julius Maunz zu Hause: Ausgehend von dem betriebsintern gefertigten Rahmen montiert er hier zusammen mit seinen Kollegen die verschiedenen Varianten von Bohlen, die im Straßenbau für die Glättung und Verdichtung des angelieferten Asphalts zuständig sind. Egal ob Ausziehbohlen oder starre Bohlen, und unabhängig von Einbaubreite, Grundbreite und Verdichtungsvariante: Herr Maunz kann sie alle bauen; und die anschließende Funktionsprüfung zählt im Sinne des „Jobenrichments“ natürlich auch zu seinen Aufgaben. Ist der Funktionstest bestanden, so wird die Bohle an die Zugmaschine, die ebenfalls auf dem Werksgelände in Ludwigshafen gebaut wird, angehängt: Jetzt müssen die hydraulischen und elektrischen Verbindungen hergestellt werden.

Damit die Maschinen und Anlagen zur Herstellung der Straßenfertiger jederzeit einwandfrei funktionieren und während des Zweischichtbetriebs verfügbar sind, braucht es Mitarbeiter, die sich um die Instandhaltung derselben kümmern: Zu diesem Team gehört Niklas Schneider. Nach seiner Ausbildung zum Mechatroniker musste er erstmal ein Jahr lang mit seinen erfahrenen IH-Kollegen „mitlaufen“, um typische Störungen und ihre Behebung kennenzulernen. Mittlerweile kennt er sich bei allen Maßnahmen der IH bestens aus:  Er führt Wartungsarbeiten z. B. an Hydraulikaggregaten, Kranbahnen, elektrischen Schalt- und Steuerungsschränken durch, prüft Drehmomentschrauber, die bei der Montage der Bohlen eingesetzt werden, und versendet diese zur externen Reparatur. Und im Falle einer Störung ist er für die elektrische und mechanische Fehlersuche an den gesamten technischen Fertigungsanlagen zuständig – immer mit dem übergeordneten Ziel, die Stillstandzeiten möglichst gering zu halten. Vögele investiert kontinuierlich in Fertigungstechnologie – auch hierbei spielt er als Instandhalter eine wichtige Rolle: Zusammen mit seinen Kollegen leitet er Verbesserungspotenzial an Anlagen ab und kümmert sich anschließend um die Planung und Durchführung derselben.

Es hat Spaß gemacht, mit welcher Begeisterung uns unsere Schüler durch „ihren“ Betrieb geführt haben. Diesmal war es umgekehrt: Wir hatten die Fragen und sie standen uns kompetent und engagiert zur Seite. Alle drei haben ganz konkrete Pläne für ihre Zukunft. Es ist wunderbar, junge Menschen auf diesem Weg ein Stück begleiten zu dürfen.

Wir freuen uns auf weitere spannende Betriebsbesichtigungen in der neu ins Leben gerufenen Reihe „Fachschüler zeigen ihren Arbeitsplatz“.

U. Spies / T. Huber – September 2019


am 24.09.2019